Herr der Ringe

2,5 stündiges Ballett, aufgeführt am 9. und 10.6.2007 im Ludwigforum Aachen.

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Aachener Nachrichten 12. Juni 2007

Zauberer Gandalf schwingt den Zauberstab und das Tanzbein. Schüler der Ballettschule Brigitte Erdweg zeigten im Ludwig Forum den "Herr der Ringe" mal anders - als Ballett. Foto: Stephan Rauh

Hobbits, Zauberer und Elfen im Ludwig-Forum

"Herr der Ringe": 198 Schüler der Ballettschule Brigitte Erdweg tanzten zum 25-jährigen Jubiläum der Schule J.R.R. Tolkiens Geschichte von Macht, Krieg und Liebe in der schwarz dekorieten Mulde. Viel Mut zur Hässlichkeit

Aachen. Schwarz umhüllt war die Mulde des Ludwig-Forums, schwarz war das Bühnenbild. Diese Schlichtheit bot den Rahmen für Tolkins düstere Geschichte vom Ring der Macht, der die Menschen knechten, ins Dunkel treiben und ewig binden soll.

Schwierig schien zunächst die Vermittlung des Stoffs vom "Herrn der Ringe" für die Nachwuchstänzerinnen im Kindergartenalter der Ballettschule Brigitte Erdweg, die unbedingt mit auf die Bühne sollten. "Wir haben den Stoff wie ein Märchen behandelt", erläutert Brigitte Erdweg, "das konnten die Jüngsten gut verstehen. Und so konnten wir etwas von dem ganz großen Drama herausnehmen, um kein Horror-Szenario zu bekommen."

Mehr als gelungen war die etwa dreistündige Aufführung (mit Pause), die die gesamte Bandbreite des Tanzunterrichtes und die teils hohen Qualifikationen der Schülerinnen zeigte - einige befinden sich in den Förderklassen renommierter Tanzakademien in Stuttgart, Hamburg, Berlin, Essen und Tilburg. So professionell die Inszenierungs-Ideen wie etwa die Darstellung des Feuers durch kleine Tänzerinnen oder irische Folklore bei den Hobbits waren, so wunderbar waren die Kostüme von Claudia Decker und die Frisuren von Dieter Weißbrod, der selbst die Rolle des Wirts Butterblume tanzte.

198 Schülerinnen und Schüler zeigten eine Spiel- beziehungsweise Tanzfreude, die als schneller Funke der Begeisterung auf das Publikum übersprang. Meisterhaft gelang es den Kindern und Jugendlichen, die Charaktere zwischen Gut und Böse und vor allem die Hässlichkeit der Macht überzeugend darzustellen.

Der heimliche Star der Aufführung war der 14-jährige Johnny Saacke in seiner Rolle als Gollum, der als monströses, graues Wesen die Gefährten Frodo und Sam bedroht. Eigens zur Steigerung der Hässlichkeit dieser Kreatur ließ sich der Einhard-Gymnasiast eine Glatze schneiden - mehr konsequenter Einsatz für eine Rolle ist kaum zu bieten.

Der elfjährige Milan tanzte gleich zwei Rollen - einen Hobbit und einen Ork. "Ich bin klatschnass geschwitzt und noch immer aufgeregt", gestand er nach der Premiere. "Aber ich freue mich." Super fühlte sich Vivian, 5 Jahre: "Das war mein erster Auftritt. Ich bin ganz stolz auf mich."

Zum Schluss hielt das Publikum nichts mehr auf den Stühlen. Es gab viel Applaus für Brigitte Erdweg, für die Mit-Choreographinnen Alexandra von der Heyden und Maria Saacke und vor allem für 198 Schülerinnen und Schüler.

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