Noche Flamenca

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Aachener Volkszeitung 15. November 1994

Zu einem Erlebnis wurde die "Noche Flamenca" der Ballettschule Brigitte Erdweg. Schwungvoll schwenkten die Tänzerinnen ihre Bota de Cola, die Rüschenschleppen ihrer prächtigen Kostüme. Foto: Andreas Schmitter

Tänzerische Leidenschaft begeisterte

"Noche Flamenca": Publikum in Rausch versetzt – Zusatzvorstellung terminiert.

Von Jutta Katsaitis-Schmitz

Aachen. Immer wieder brauste Beifall auf bei der "Noche Flamenca" im Theatersaal der Ballettschule Brigitte Erdweg. Auf der Bühne die provozierende Leidenschaft unnahbarer Senioritas, die tiefmelancholischen Gitarrenklänge der "Soleas" und die Farbenpracht herrlicher Kostüme faszinierten das Publikum, schufen das Flair einer andalusischen Fiesta.

Zum ersten Mal veranstaltete Brigitte Erdweg mit 100 Tanzschülerinnen aller Ausbildungsklassen eine "Noche Flamenca" dieser Größe. Fast zwei Jahre lang bereitete sie das mehr als zweistündige Programm vor, bei dem die leidenschaftlichen und fröhlich-ausgelassenen Sevillanas, Rumbas und Allegrias einander ablösten.

Eingestimmt wurde das Publikum im ausverkauften Ballettsaal durch das meisterliche Gitarrenspiel von Detlev Bork, der die künstlerische Arbeit der Ballettschule seit viereinhalb Jahren musikalisch begleitet. Der 27jährige erlernte das ABC des Gitarrenspiels bei einem spanischen Gastarbeiter in Kiel, begleitete bereits im Alter von 15 Jahren in Spanien bekannte Flamenco-Tänzer, studierte an der Musikhochschule Aachen Konzertgitarre bei Professor Tadashi Sosaki und schließlich 1992 als Stipendiat in London bei Carlos Bonell.

Brigitte Erdweg offenbarte in ihrer Begrüßung das Geheimnis des Flamenco: durch Gitarre und Gesang wird der Tänzer in einen Bann gezogen, sodass er letztlich, wie vom "Duende" (dem Teufel) besessen, seinen Gefühlen tänzerisch Ausdruck verleiht.

Ob sechs Jahr jung oder 60 Jahre alt - es war ein Bild der Lebensfreude und des Stolzes, mit dem die Tänzerinnen die Atmosphäre andalusischer Nächte auf Aachens Bühne zauberten. Das graziöse Spiel der Hände, das "Zapateado" (Klacken mit den Absätzen) und das souveräne Schwenken der "Bota de Cola" (Rüschen-Schleppe) wurden begleitet von den stolzen Blicken der Schönen, ihrem Klappern der Kastagnetten und dem koketten Fächeln.

Sevilla und Barcelona waren nahe, das Publikum wurde wie in einen Rausch versetzt. Wen hielt es noch auf den Stühlen, als Brigitte Erdweg mit ihrem spanischen Tanzschüler Juan Martinez den Sevilanas "Esta Gitana" (Zigeunertanz) wie das Reizen eines Stieres präsentierte.

Wegen des großen Interesses wird die "Noche Flamenca" noch einmal am Samstag, 10. Dezember, ab 19.30 Uhr wiederholt. Die Karten dazu sind in der Ballettschule erhältlich.

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