Der Rattenfänger

Zurück zur Auswahl

Aachener Volkszeitung 7. Juni 1994

Der Rattenfänger und seine "entführten" Kinder. Doch in der Aufführung der Ballettschule Erdweg gab’s ein Happy-End. Foto: Andreas Schmitter

Der Sprung zu großen Ballerinas

Das Märchen vom Rattenfänger in einer gelungenen Neuinszenierung

Von Petra Plützer

Aachen. Die Ratten sind niedlich und der Rattenfänger ist ein lieber Mann. Das "Ballett für Eleven nach einer alten Überlieferung", aufgeführt von der Ballettschule Brigitte Erdweg, gab dem Märchen vom Rattenfänger von Hameln eine völlig neue und wunderschöne Wendung.

170 Schüler bereiteten sich ein Jahr lang auf diese große Aufführung vor. Und der Spaß am Spiel war ihnen deutlich anzusehen, von klein bis groß. Alle waren mit dabei: vom vierjährigen Anfänger bis hin zu den Prima Ballerinas, von denen so manche ernsthaft über eine Karriere als Tänzerin nachdenkt. Und in ihrer Schüleraufführung im Aachener Eurogress zeigten sie, dass sie auch durchaus das Zeug dazu mitbringen.

Regisseur Klaus D. Leubner schrieb zusammen mit Brigitte Erdweg-Saacke das Libretto für diese andersartige Version des Rattenfängers. "Schauspiel nur im Unterricht zu üben, ist sehr trocken für die Kinder. Aber eine Aufführung motiviert unheimlich", erzählt Erdweg-Saacke. Zweifelsohne: nicht nur die Rattenbande begeisterte ihr Publikum mit ihrem kessen Spiel. Kirsi Saari spielte einen sehr poetischen und liebevollen Flötenspieler der auch noch wunderschön tanzen konnte.

Doch nicht nur Ballett, auch Stepp-Dance und eine kleine Jazz-Dance Einlage vereinigte die Choreographie von Erdweg-Saacke und ihren Lehrerinnen. Als die reichen Bürger von Hameln dem Flötenspieler seinen Lohn für die Befreiung von der Rattenschar verweigern, entführt er mit seinen zarten Flötentönen die Kinder der Stadt. Und nicht für Geld und gute Worte ist er bereit, die Kinder aus der schönen und guten Welt, in die er sie brachte, zu ihren Eltern zurückzuholen. Doch für diese Inszenierung hatte man sich ein Happy-End überlegt: die Kinder kommen wieder, um auch die Erwachsenen in jene Welt zu führen, in die sie der Melodie des Pfeifenmannes gefolgt waren. "Tanztheater heißt, die Geschichte genau auf den Punkt zu bringen", sagt Regisseur Leubner. Denn nur Pantomime und tänzerischer Ausdruck stehen zur Verfugung, um eine doch recht komplexe Geschichte zu erzählen. "Ich bin begeistert, was selbst die Kleinsten bei dieser Inszenierung aus sich rausgeholt haben", erzählt er, der bereits 1986 mit seiner Adaption von "Momo" mit der Ballettschule Erdweg Erfolge feierte.

Eine Rose für alle Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne gab's zum Schluss von den Lehrerinnen für ihre Schüler. Und ein besonders herzliches Dankeschön von Brigitte Erdweg an all die Eltern im Saal, die mit Geduld und hilfreicher Unterstützung ihren Kindern diese glanzvolle Aufführung ermöglichten.

[Drucken][Drucken]