Der Rattenfänger

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Aachener Nachrichten 8. Juni 1994

Wunderschöne Tanzszenen mit "Ratten"

Die Aachener Ballettschule Brigitte Erdweg präsentierte ihre neueste Produktion im Eurogress

Aachen (kf). Kinderballett mit Geist und Humor präsentierte jüngst die "Ballettschule Brigitte Erdweg" im Eurogress. In zwei Akten von je 45 Minuten stellten die Tänzerinnen und Tänzer die alte Sage vom "Rattenfänger" in wunderschönen Tanzszenen dar, in denen die allgegenwärtigen, frech-fröhlichen Ratten ihre neckischen Späße treiben und damit die bieder-braven Burger des Städtchens zur Weißglut bringen.

Selbst unter dem "Grünen Tisch", an dem der "Bürgermeister" und seine "Ratsherren" - allesamt dargestellt von biegsamen Mädchen - beschließen: "Die Ratten müssen weg!" hockt noch solch ein Tierchen ..

Dabei verkörperten, die "Ratten", die sehr zahlreich waren und ungefähr ein Drittel der Mitwirkenden ausmachten, in dem Stück weniger Schmutz und Ekelhaftes, als vielmehr übermütige Ausgelassenheit. Und kaum waren die Nager, angeführt durch den mitreißenden "Flötenspieler" Kirsi Saari, aus dem Städtchen verschwunden, war es dort aus mit Fröhlichkeit und Freude: Die spielenden, ungezogenen Kinder wurden schnell zur Ordnung gerufen, und ab ging es in Zweierreihen mit dem Tornister auf dem Rücken zur Schule!

Dafür sorgte der "Herr Pastor", stets begleitet von einer Schar trippelnder "Ministranten", die zwischen bigotten Augenaufschlägen und braven Knicksen keine Gelegenheit für eine Tuschelei oder einen Streich ausließen - fast wie im richtigen Leben...

Da war es kein Wunder, dass die Kinder dem um seinen Lohn geprellten Musikanten gern folgten, als er sie mit seinem Flötenspiel aus der Stadt lockte - wohl weniger ins Verderben als vielmehr in eine "bessere Welt", jenseits von soviel Ordentlichkeit und Langeweile! Anders als die Original-Sage hatte das Ballettstück jedoch, ein Happy-End - bei dem natürlich auch die Ratten nicht fehlen durften!

Die Freude und Begeisterung der jungen Tänzerinnen am gemeinsamen Spiel übertrug sich auf die Zuschauer, die beim großen Finale frenetischen Beifall spendeten. Anlässlich der Premiere gab es für jedes mitwirkende Kind - von den Hauptakteuren bis zu den "Ratten" und den niedlichen "Fröschen", "Raupen" und "Schmetterlingen" - ein Röschen und Blumensträuße für die Hauptverantwortlichen hinter den Kulissen.

Das Kinderballett "Der Rattenfänger" entstand unter der Gesamtleitung von Brigitte Erdweg-Saacke, der Leiterin der Ballettschule. Dabei legte die ehemalige Tänzerin und Choreographin Wert darauf, all ihre Schülerinnen und Schüler an den Aufführungen zu beteiligen, so dass die insgesamt vier Aufführungen von zwei verschiedenen Besetzungen ausgeführt wurden. Regie und Dramaturgie lagen in den bewährten Händen von Klaus D. Leubner, der seinerzeit schon Michael Endes Roman "Momo" als Tanzstück für die Ballettschule Brigitte Erdweg einrichtete. Die Choreographie wurde von den Tanzlehrerinnen Sally Hanke, Gudrun Poschmann, Juli Ullrich, Brigitte Voorjans und Brigitte Erdweg erarbeitet. Hierbei blieb man nicht allein beim klassischen Ballett, passend zur jeweiligen szenischen Gestaltung gab es auch Stepp- und Jazztanzdarbietungen.

Musikalisch wurde das Stück von sehr abwechslungsreichen Klängen getragen, u.a. von Brahms, Debussy, Gershwin, Grieg, Khachaturian, Mussorgsky, Rimsky-Korssakow und Tschaikowsky.

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