Traum eines Clowns

23.10.1983, Stadttheater Aachen

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Aachener Nachrichten 27. Oktober 1983

Im großen Finale der Ballettvorführung "Traum eines Clowns" tanzte der "Zirkusdirektor" vor versammeltem Ensemble. Foto: Gillessen

Feurige Tanzschritte in der Zirkusmanege

Brigitte Erdweg stellte sich mit ihren Ballettschülern im Aachener Stadttheater vor

Von ANNETTE BOSETTI

AACHEN. - Einen ganz bezaubernden Traum träumte das Publikum im vollbesetzten Stadttheater gemeinsam mit dem am Außenrand der Bühne "schlafenden" Clown Brigitte Erdweg. Mit unglaublichem Einfallsreichtum und einer bis ins Detail faszinierenden Choreographie hatte die Aachener Tänzerin und Inhaberin einer Ballettschule eine Welturaufführung im Stadttheater in Szene gesetzt.

Sechzig Ballettschülerinnen und ein einziger Mann zeigten in "Traum eines Clowns" verschiedenste Formen des Tanzes, allesamt dargeboten wie Nummern eines großen Zirkus. Vor sparsamer Kulisse, die eine Zirkusmanege andeutete, führte ein Zirkusdirektor zu sorgfältigst ausgesuchter Musik Kunststücke seiner Truppe vor.

Rosa Ponys

Zu Beginn hüpften kleine rosa Ponys mit Schellen über die Bühne. Die vielleicht sechs bis sieben Jahre alten Tänzerinnen verbreiteten freudige Zirkusatmosphäre. Gleich danach "rollte" ein weißer, seidener Tausendfüßler aus achtzehn Beinchen der Allerkleinsten bestehend - durchs Zirkustor, übte sich in Ausfallschritten, drehte Kurven und führte Tanzschritte aus. "Ich bin ein furchtbar großer, dicker, brauner Bär..." tönte es aus den Lautsprechern, wozu eine winzig kleine Tänzerin im unförmigen, pelzigen Teddykostüm einen bärentypischen Tanz vorführte, der kunstvoll in einem Sich-auf-den-Rücken-fallenlassen endete.

Zwischen den Nummern gab es bereits riesigen Applaus, und nun ging es Schlag auf Schlag: Ein Besenfegertanz der Teenager begeisterte ebenso wie die Fünf-Frauen-Band im weißen Smoking. Zur bekannten "Popcorn"-Melodie wurde ein spannender Jazztanz vorgeführt. Neben dem Zirkusdirektor begeisterten einige Solonummern wie der verträumt tanzende Jongleur, die spanische Flamencotänzerin und eine unglaublich versierte Bauchtänzerin.

Choreographischer Einfallsreichtum

Das Spektrum choreographischen Einfallsreichtums von Brigitte Erdweg wurde ganz besonders in einer Tanzszene beleuchtet: Zur "Hexenmusik" von Mussorgsky tanzt ein zackiger Zauberer mit modernen Tanzschritten auf die Bühne und verzaubert eine auf die Bühne getragene Statue zu ausdrucksvollen, klassischen Schrittfolgen. Zu der sich in fließendem weißen Gewand bewegenden Elfe erklingen die mystischen, fernen Klänge von Debussy's "Syrinx" - insgesamt eine beeindruckende Klang- und Bewegungsmalerei.

Für Brigitte Erdweg gehören alle Tanzarten zur Ausbildung, die sie selber genossen hat. Und diese will sie auch ihren Aachener Schülern vermitteln. Klassischer Spitzentanz, feuriger Flamenco und sogar Disco-Tanz waren gekonnt und fetzig. Sechs mittelgroße Kätzchen tanzten zu synthetisch verzerrtem "Pussycat", und zu guter Letzt brachten kunterbunte Clowns viel Schwung mit lautstarkem Steppen auf die Bühne.

Aufwendige Gestaltung

Durchgängiges Konzept der Vorführung war eine bis ins Detail stimmige Abstimmung, eine treffsichere Wahl der Accessoires (Beispiel: die punkigen Sonnenbrillen der Discotänzerinnen), und eine enorm aufwendige Gestaltung der Kostüme und Maske.

Wenn auch nicht alle Tanzschritte der Ballettschülerinnen so professionell wie die wenigen des Clowns Brigitte Erdweg ausfielen, so war die künstlerische Gesamtleistung dieser "Welturaufführung" für Aachen ein riesiger Erfolg.

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