Traum eines Clowns

23.10.1983, Stadttheater Aachen

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Aachener Volkszeitung 27. Oktober 1983

"Zirkusdirektor" Doris Siebert und der Tausendfüßler: Das Publikum ging begeistert mit beim "Traum eines Clowns" der Ballettschule Erdweg. (Foto: Wolfgang Plitzner)

Der Triumpf des Clowns

Die Ballettschule Erdweg setzte neue Maßstäbe

Aachen. - Im Handstreich war das Stadttheater genommen, einen überraschenden Sieg feierte hier die Ballettschule Erdweg; einen Sieg, der in hiesigen Ballettkreisen einigen Staub aufwirbeln wird.

Die "Töchter" von Brigitte Erdweg haben nicht nur tanzen gelernt - sie bringen eine geschlossene Welt auf die Bretter: Leben und Funken sprühen um sie her! Üblicherweise spulen ja Ballettschüler ihre Übungen in steigendem Schwierigkeitsgrad ab. Nicht so bei Erdweg: Klassik und Jazz, kleine und große Talente gaben sich die Hand und führten zusammen das Riesenrad der Zirkuswelt auf.

"Der Traum eines Clowns" hieß das, Ganze, und das war es auch, ein Traum, in dem die Clownerie über düstere und lichte Mächte triumphierte. Entrückt in ein sonniges Arkadien sah man zunächst drollige Ponies paradieren, bald wurde Tausendfüßler daraus, bald, regierte ein Katzenknäuel. Ohne theatralische Verkrampfung stieg hier ganz von selbst eine Wunderwelt aus Seifenblasen ans Licht; eine Welt, die sich oft genug selbst zum Platzen brachte. Mit reichlich Ironie und Mutwillen tanzte die illustre Schar bewusst zwischen. Kunst. und Klamotte, vorbei an allen Klippen der Peinlichkeit.

Nicht nur sonnige Gemüter, auch Freunde des Finster-Dämonischen kamen auf ihre Kosten. Spielen doch im Zirkus das Lachende und das Düstere munter durcheinander! Spanischer Flamenco spukte im Rampenlicht, ja sogar eine orientalische Bauchtänzerin wand sich schlangenhaft dahin. Das Publikum ließ sich zu begeisterten Ovationen hinreißen - vielleicht, weil hier nicht der vergebliche Versuch gemacht wurde, eine vom "Ewig-Weiblichen" gereinigte Kunst zu präsentieren.

Das "Schlusswort" sprachen freilich die Clowns; mit ihnen trollten noch einmal alle Ponies, Pussies, Spanierinnen und Zauberer zum großen. Panoptikum zusammen. Da sah man, wie die Englein sich die goldenen Eimer reichten, wie eins, ins andere griff! Ja, Brigitte Erdweg war gut beraten, als sie ihre Schule in einen Zirkus verwandelte. Statt bloß Tanznummern abrollen zu lassen, koordinierte sie das Können zu einem imposanten Bild. Mal sehen, ob das Beispiel Schule macht. Das Publikum jedenfalls klatschte sich müde.

DANIEL SALBER

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