Pressestimmen

Brigitte Erdweg

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Aachener Nachrichten 10. November 2001

Brigitte Erdweg blickt auf eine Karriere zurück, die sie bis nach New York und China führte.

Weltklasse-Tänzerin Brigitte Erdweg führt seit 20 Jahren eine Ballettschule

Tourneen durch alle Kontinente

Von Nachrichten-Mitarbeiterin Ingrid Peinhardt-Franke

Als die kleine Brigitte im Alter von acht Jahren ihre ersten Ballettschritte machte, ahnte sie nicht, dass sie eine Tänzerinnen-Karriere machen würde, die sie um die ganze Welt führt und doch wieder zurück in den Aachener Stadtteil, in dem sie aufgewachsen ist. Seitdem unterrichtet sie, die zehn Jahre auf den größten Bühnen der Welt getanzt hat, Kinder und Erwachsene.

"Tanzen war schon immer wie Medizin für meinen Körper", sagt Brigitte Erdweg (49). "Tanz ist viel mehr als ein Abspulen von gelernten Bewegungen. Das wusste ich schon als Kind, und mein größter Wunsch war schon damals, immer nur gut tanzen zu können." Entsprechend früh entdeckte ihre Lehrerin Leonie Renoldi ihre außergewöhnliche Begabung. "Meine Eltern waren überrascht", erinnert sich die einzige Weltklasse-Tänzerin der Region. "Sie konnten nur schwer verstehen, dass das Geld für den Unterricht eine richtige Investition war. Doch zum Glück wurde ich von einem Freund der Familie finanziell unterstützt."

Bedenken der Eltern

Mit zehn Jahren begann für Brigitte Erdweg der Kinderkarneval parallel zum Ballett: „Das viele Training war nur schön für mich. Es war ein Ansporn, mich in der Schule anzustrengen." Mit 16 dann, nach der Beendigung der Luise-Hensel-Realschule, folgte dank der Unterstützung des großen Bruders gegen die Bedenken der Eltern eine Ausbildung zur Bühnentänzerin ebenfalls bei Leonie Renöldi. "Ich wollte aber noch mehr, und das war nur in einer Großstadt möglich. So habe ich dann beim Stuttgarter Ballett weiter studiert und wurde von John Cranko als einzige von zwanzig Bewerberinnen genommen."

Damit begann eine Karriere, die für die meisten Tänzerinnen ein unerreichbarer Traum bleibt. In den zehn Jahren zwischen etwa 1970 und 1980, als das Stuttgarter Ballett zur Weltspitze gehörte und durch alle Kontinente tourte, war Brigitte Erdweg dabei: „"n der Met in New York zu tanzen, war die Krönung für mich. Da habe ich noch höhere Sprünge als sonst gemacht." An die Auftritte in Japan erinnert sie sich ebenfalls sehr gern. Ihre letzte Tournee mit Rollen in "Eugen Onegin" und Romeo und Julia" führte nach China, Hong Kong, Shanghai, Peking waren die Stationen, ehe der Abschied von der Bühne anstand. "Ich bin auf dem Höhepunkt meiner Karriere von selbst gegangen. Ich wollte nicht aufhören müssen, wegen Verletzungen oder aus Altersgründen."

Bodenständig, wie Brigitte Erdweg trotz aller künstlerischen Höhen geblieben ist, eröffnete sie in der Aachener Gottfriedstraße ihre Ballettschule auf Anhieb hatte sie rund 70 Schüler. So sehr sie auch die Entwicklung und Charakterschulung der Anfänger genoss, so sehr dächte sie darüber nach, ob eine Tätigkeit in einer. großen Stadt mit Ballett-Tradition nicht vorteilhafter wäre. Vor rund zehn Jahren zog sie jedoch mit ihrer Ballettschule zum Krugenofen in Burtscheid um.

"Heute weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe", resümiert sie. "Ich hatte sehr gute Lehrerinnen, die mit Einfühlungsvermögen alles aus mir herausgeholt haben. Ann Williams zum Beispiel in Stuttgart hat mich nie gedrillt, und deshalb konnte ich unermüdlich Höchstleistungen bringen. Mein ganz großes Vorbild war aber Marcia Haydée, meine letzte Ballett-Direktorin beim Stuttgarter Ballett. Diese Frau konnte Berge versetzen, und sie war dabei sehr menschlich. Wenn wir alle schon die Flügel hängen ließen, hatte sie noch Kraft. Sie spornte uns an, noch mehr zu geben. Und es ging."

Disziplin und Training

Das große Feingefühl, das Brigitte Erdweg in ihrer eigenen Ausbildung zur Weltspitze genoss, versucht sie heute weiterzugeben. "Durch die Disziplin, das Training und die Auftritte werden Menschen geformt," weiß sie. "Damit muss man sehr verantwortungsbewusst umgehen. Das fängt schon bei den Vierjährigen an, die ihre ersten Ballettstunden haben." An ihre eigene Kindheit erinnert sie die Ausbildung der Prinzengarde und des Tanzpaars des Aachener Kinderprinzen, die sie vor ein paar Jahren mit großem Erfolg übernommen hat.

Riesig ist die Freude allerdings, wenn aus ihrer Schule Tänzer und Tänzerinnen hervorgehen, die wie sie große Bühnenerfolge feiern können. Michele Tesoro zum Beispiel gelang der Sprung in die Ballettstadt Antwerpen, Isabell Classen tanzt derzeit im Musical „Chicago" in Düsseldorf.

Bei aller Liebe zum Unterricht liegt Brigitte Erdweg seit langem einen Wunsch, der in Aachen nur schwer erfüllbar ist. Sie würde gerne „ein bisschen von der. Tanz-Kunst präsentieren, die machbar wäre". Einen ersten Ansatz gab es vor ein paar Jahren am Theater, als Ballett dort noch eine Rolle spielte. Heute ist die Situation sehr schwierig: "Aachen krankt am Tanz".

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